Das Rührei

Eine Wiese von kylaloo auf Vimeo.

Erst fanden wir in Kassel keine Übernachtungsmöglichkeit. Nix. Kein teures, keine Absteige.
Das Intercity nicht und auch nicht die Dinger an der Autobahn. Nichts zu machen.

In Melsungen ist noch etwas frei. sagte der mitfühlende Rezeptionist des Intercitydingsda.
Wir telefonieren mit dem Nachtwart und er verspricht etwas freizuhalten.

Wir kommen gegen 2 Uhr an, sind völlig gagamüde.
Er ist noch nicht so lange da. Seine zweite Woche erst.
Wir bekommen Zimmerkarte und der Weg ist weit.

Die Zimmertüre geht nicht auf. Wir versuchen es zwanzig mal.
Dann ruft Lilo den Portier an und der lacht und erzählt, dass
das ja der Altbau sei und das dort das nicht geht.
haha – finden wir um halb drei nicht mehr so arg lustig.
Also Umzug einen Stock tiefer, 16 Zimmer weiter nach rechts.
Endlich.

5:30 ist Ende Gelände.
Die Russen sind wach und rumpeln lautstark durch die Flure.
Ach ja. Das sind die beiden Reisebusse, die wir beim parken flüchtig gesehen hatten.
Eine Stunde quälen wir uns noch.
Frühstück.
Bus zwei ist noch dabei.
Die frisch hingestellte Wurstplatte wurde von zwei
übel zugeschminkten Wollustmatronen abgeräumt, noch bevor ich
überhaupt mitbekommen habe, dass da eine frische hingestellt wurde.

Wenigstens Brötchen und Rührei ist noch da.
Scheinen Russen nichts mit anfangen zu können.

Ich nehme Anlauf während Lilo sich das gleiche holt.

Stopp! ruft sie. Spuck es aus!
Was? Wie?
Spuck sofort das Rührei aus!
Was ist denn? frage ich langsam verärgert.
Da ist eine Batterie im Ei!
Eine was? Ich spucke laut aus.
Eine Radiobatterie liegt mitten im Rührei.

Der Kellner zuckt die Achseln und geht fragen.
Das ist die Batterie von der Pfeffermühle.

Lippenstifte

Ganze 18 Sorten zähle ich, als ich nachgeschaut habe, ob es Labello überhaupt noch gibt. Seit meiner Schulzeit habe ich die Dinger nämlich nicht mehr gesehen und das ist ja schon etwas her. Mädchen waren damals jene weltfremde Wesen, die Gummitwist hüpften, Poesiealben im Unterricht austauschten, gemeinsam aufs Klo gingen und von dort irgendwann wieder, Labello auf den Lippen verreibend, herauskamen.

Ich hatte auch ein Stift, der war aber von Clerasil und der deckte Pickel zu. Als ich eines Tages pickelfrei und mit einem Fußball unterm Arm Ulla fragte, ob sie mit mir gehen wolle, quälte sie mich, indem sie erst einen Blick in die Ferne warf, um dann diesen dämlichen Fettstift auszupacken und die wertvolle Zeit der Pause zu verplempern. Schließlich gab sie sich einen Ruck, wir umarmten uns und dank Labello quietschte auch mein erster Kuss nicht.

Mann-oh-mann, ging uns diese Sucht auf den Keks.

Ulla ist inzwischen sicher auf Lippenstift umgestiegen und wir Männer können dem Ding jetzt auch endlich etwas positives abgewinnen.

Ähnlich, wie bei ihrem pubertären Training, hat auch bei der Benutzung eines Lippenstiftes jede Frau ihre ganz persönliche Handschrift. Die eine benutzt ihn genauso, wie Labello (“einfach druff”). Eine andere braucht einen Spiegel, trägt die Farbe vorsichtig auf den spitzen Mund und dreht dabei den Stift so, dass da mit der Zeit so eine Art Zipfelmütze übrigbleibt. Wieder eine andere, versucht die Form, die der Stift ab Werk sowieso schon hat, beim Abtragen möglichst irgendwie beizubehalten und versaut sich den Tag, wenn sie eine Delle reinmacht.

Ich glaube, ich werde mich demnächst einmal näher damit beschäftigen, ob und wie man den Frauentyp anhand des Lippenstiftes ermitteln kann. Wieviel Typen werde ich finden? Das riecht doch nach einer losen Serie und ich kam darauf, als ich heute nach dem Mittagessen, unseren Bildmischerinnen bei ihrem Ritual zuschaute und an meine Schulzeit denken musste…

Handyklo

Was ist ein korrupter Poliker, ein geldgieriger Wirtschaftsboss, ein gekaufter Schiedsrichter gegen einen Idioten, der auf dem Nebenklo laut und ungeniert mit einem Geschäftspartner telefoniert und mit ihm die Frachtpreise der Hosen aus Singapur durchgeht? Unterbrochen wird das Gespräch von Zeit zu Zeit von einem lauten Knall in der Schüssel, den er mit einem leisen, unterdrückten Seufzer kommentiert.

Selbstredend hat er sich anschließend die Hände nicht gewaschen und draußen in der Flughafenhalle sah ich ihn dann ein paar Minuten später, einer jungen Businessfrau herzlichst die Hände schütteln…

Die Notleine

Behindertenklos finde ich klasse und wenn ich die Wahl habe, gehe ich immer lieber auf sie. Sie riechen besser, man hat mehr Platz und es befinden sich vernünftige Griffe an Klo und Waschbecken. Sogar an Seife wird hier meist noch gedacht. Man sitzt darauf schön hoch und kann, gehen wir mal von (m)einer Körpergröße von 176cm aus, seine Füße wie zu Kindheitszeiten baumeln lassen.

Heute jedoch kam einer der Pförtner zu mir in die Toilette gerannt und zwar weil ich die Notleine für eine Lüfterleine hielt und daran gezogen hatte. Im Gegensatz zu dem hier fotografierten Modell, hatte sie nämlich keinen Aufdruck, der darauf hinwies und sie war auch nicht rot, sondern weiß. Auch neu: Ich musste mich noch nie in meinem Leben in einem Klo rechtfertigen.