Eingedampfte Würstchen

Lilo und ich waren immer schon leidenschaftliche Verfechter der fettfreien Küche. – Koste es was es wolle. Um dies zu erreichen sind wir auch zu ästhetischen Opfern bereit. Heute zum Beispiel gab es gedünstetes Sauerkraut mit Kartoffelpüree und Würstchen. Der Trick: Man legt die Wiener auf eine Mikrowellensichere Abtropfplatte und quält die kleinen Biester, bis sie erst herzzerreißend quietschen, dann platzen und zum Schluss nur noch matt vor sich hin puffen.

Zum Nachmachen: Die Würstchen gute 6 Minuten in der höchsten Stufe garen. Gerne auch mehr. Öffnet man nach diesem Martyrium die Mikrowelle, geht einem jeden Fettfeind das Herz auf. Gleich nachdem der stark riechende Nebel verflogen ist, sehen wir eine Abtropfschale voller Fett und ein Würstchen so mager, wie nach 20 Jahren Zuchthaus.

Mein abendlicher Kakao

Eine meiner liebsten Traditionen: Bevor sie ins Bett geht, macht Lilo uns einen Kakao. Sie wäre aber auch nicht Lilo, wenn sie nicht ständig etwas neues auszuprobieren würde.

Heute ist es mal wieder soweit. Strahlend reicht sie mir den dampfenden Becher: “Hier, versuch mal – der ist etwas ganz besonderes!”

Farblich ist er mir schon zu dünn. Mein Kakao muß nicht nur tiefbraun sein, sondern auch fast so zäh, wie geschmolzene Schokolade. Auch roch dieser hier überflüssigerweise nach Zimt und das passt in meine Geruchswelt bestenfalls zur Weihnachtszeit. Zögernd nahm ich also einen ersten Schluck. Nelke! Wenn es einen Geschmack gibt, den ich im Kakao nicht ertrage, ist das Nelke.

Ich lächle Lilo tapfer an und frage, ob sie vielleicht noch etwas von dem altmodischen Kakao hätte. Natürlich weiß sie, was ich damit meine. Gleichzeitig ist sie aber auch davon überzeugt, dass ich in solchen Dingen etwas altbacken bin und zur Modernisierung liebevoll gezwungen werden muß. Kämpferisch lächelt sie also zurück. “Vielleicht habe ich ihn nur zu dünn gemacht.” Sie rieb sich nachdenklich das Kinn.

Mein Einwand mit der Nelke kam zu spät, sie war schon wieder zurück in der Küche einen neuen ansetzen. Ich ahne, wie intensiv der Nelkengeschmack gleich sein wird und folge ihr. “Zeig mir doch mal die Packung”, versuche ich mich diplomatisch ins Geschehen einzumischen. “Ist schon weg, ich habe ihn in den blauen Spender dahinten umgefüllt.”

Typisch. Sie ertägt es nicht, wenn lose Produkte Luft kriegen und Packungen, die nicht luftdicht schließen sind ihr ein Greul. Selbst Salzstreuer haben bei uns einen Deckel. “Gibst Du ihn mir mal?” Sie deutet auf eine Ansammlung von luftdicht schließenden Spendern rechts neben mir im Regal. “Welchen?” “Na, den blauen!” “Da stehen zwei” “ja, ähmm, den linken…, nee, den rechten” Ich gebe ihr also den rechten. Und während Lilo nun das Pulver in die heisse Milch rührt, spiele ich mit dem linken Spender. Wieso klebt sie bloß die Schildchen immer auf den Boden der Spender? Aus ästhetischen Gründen? Weil man sie so sauberer halten kann? Ich drehe den Spender in meiner Hand um.

“Kakaopulver/neu” steht da. Ich muß grinsen. “Hmm, das duftet aber!”, lobe ich sie scheinheilig, gehe zu ihr und drehe den Spender um, den sie gerade benutzt hat.
Indisches Zahnpulver.

Mann oder Kinder.

Samstags an der Fischtheke:

“Welchen Fisch können Sie mir empfehlen?”
“Wir haben gerade tollen Erdbeergrouper reinbekommen.”
“Hat der Gräten?”
“Ja, aber nur ganz wenig.”
“Hmm, wissen sie, ich muß grätenfreien Fisch besorgen.
Was ist mit diesem hier?”
“Der hat bis hierhin Gräten, und ab hier keine mehr.”
“Na das wäre ja was.”

“Mann, oder Kinder?”
“Bitte?”
“Brauchen sie es grätenfrei, wegen dem Mann,
oder wegen der Kinder?”
“Mann.”
“Ist bei mir das gleiche.
Mein Mann macht auch immer Theater, wenn er eine entdeckt.”