Frank macht einen Bruch

Es ist noch gar nicht so lange her, als Lilo und ich in einer alten Fabrik in Offenbach lebten. Ein herrliches Loft mit satten 350 m2 Platz. Die größten Nachteile waren allerdings die Heizkosten und dass wir uns alles selber herrichten mussten. Zum Beispiel wurde in 150 m2 schwarzen Molton investiert, damit wir auch alle Fenster unseres Fotostudios abdunkeln konnten.

Ein romantischer Platz.

Vor allem Nachts, wenn aus allen Ecken der Fabrik so komische Geräusche zu uns durchdrangen und wir ständig das Gefühl hatten, das da doch eben etwas über den Hof gehuscht ist.

Es war Silvester, so wie heute.

Wir machen uns für eine Party bereit, als es unter uns laut metallisch krachte. Ich suche instinktiv zur Verteidigung meines Weibchens eine Eisenstange oder ähnliches. Das dauerte natürlich etwas, denn so eine Eisenstange liegt selbst in Industrieregalen immer eher irgendwo hinter einem Haufen Unrat, den ich jetzt möglichst lautlos zur Seite räumen will.

Bei Einbrechern muss man höllisch aufpassen, denke ich noch und mein Adrenalinspiegel pocht an meinen Schläfen. Jetzt gilt es strategisch zu denken um sein Hab und Gut optimal vor Bösewichten zu verteidigen. Bruce Willis begleitet mich in den folgenden Minuten geistig auf meiner Mission.

Und Lilo?

Sie sprang wutentbrannt die Treppe ein Stockwerk hinunter, stemmte ihre Fäuste in die Hüfte und schrie den Einbrecher durch die geschlossene Türe an. Was er da täte und überhaupt, wie er eigentlich heisst? Völlig verdattert entschuldigte der sich, nannte seinen Namen Frank und rannte, nachdem er die Situation realisiert hatte, rückwärts durch das ganze Stockwerk hindurch zur Hinterseite des Gebäudes, um dort aus dem Fenster zu verschwinden, in das er vor einer Stunde eingestiegen war.

Ich habe in der Zwischenzeit oben in unserem Loft endlich eine passende Stange gefunden und war nun bereit Lilo so zu verteidigen, wie es sich für einen echten mutigen Kerl gehört.

Auto auf Auto zu

Heute beim Einkaufen: Bei strahlender Sonne und bester Laune parken wir den Smart. Unser Ritual dabei: Lilo schließt das Verdeck und die Türen, ich hole in der Zwischenzeit den Einkaufswagen.

Doch diesmal läuft alles anders. Lilo schließt ab und eine Sekunde später öffnet sich die Türe wieder. Sie probiert es erneut. Sie drückt auf den Schließknopf des Schlüssels und schwupps ist der Wagen wieder offen. Was ist das denn? Die Elektronik spinnt wohl! Verwundert wechselt sie die Seite. Tür zu – und – klack – ist sie wieder offen.

Das geht noch etwa vier mal so, bis die gute Laune zu schwinden beginnt. Jetzt versucht sie es an der Kofferraumklappe. Wieder das gleiche Ergebnis. Entnervt ruft sie mich. Da ich aber nicht gleich antworte, wendet sie den Blick vom Auto ab und sucht nach mir.

Ich stehe neben dem Einkaufswagen, habe den Zweitschlüssel in der Hand und grinse.

Brummhotel

Schon an der Rezeption fiel es mir unangenehm auf. So ein dumpfes, tiefes Brummen. Da ich aber neben einem Weinschrank mit elektrischer Kühlung stand, dachte ich zunächst, dass man nur dieses blöde Ding etwas von der Wand rücken muss, damit das Gebrumme endlich aufhört. Wie mich das aufregt, dass die Tante an der Rezeption wohl taub ist und den Zustand einfach ignoriert. Heutzutage hört ja keiner mehr Störgeräusche in seiner Umgebung, so wie sich in Hamburgerläden auch keiner mehr am insistierenden Pfeifen der Friteusen stört, oder auf Tankstellen am rauschenden Radio.

Gut dass ich jetzt meinen Schlüssel bekomme und zum Aufzug gehen kann.
Im Aufzug wird das Brummen lauter. Ah, das ist also der Übeltäter. Wie blöd, dass jetzt nur noch Fachleute der Aufzugsfirma das wahrscheinlich abstellen können. Die haben jetzt Feierabend und sind sicher nicht mehr erreichbar.

Na hoffentlich ist mein Zimmer also nicht zu nah am Aufzug.

Doch isses. Direkt nebendran sogar und das Brummen ist im Zimmer laut und deutlich zu hören. So laut, dass ich mittlerweile den Verdacht habe, dass es die Klimaanlage im Hotel sein muss, die da so einen Lärm macht. Böse schaue ich nach oben, dort, wo die Schlitze der Anlage zu sehen sind und überlege, ob ich gleich mal runter gehe und das mit der Rezeption bespreche. Nee, besser noch, ich rufe sie an.

Auf dem Weg zum Telefon wird das Brummen noch lauter. Ist ganz nah. So nah, dass es unmöglich die Klimaanlage sein kann. Mein Blick fällt auf meinen Koffer. Ungläubig starre ich ihn an. Hat Lilo mir einen Wecker gekauft und zugesteckt? Ich lege vorsichtig die Hand auf den Tragegriff. Tatsächlich – das Brummen kommt aus dem Koffer. Ich öffne ihn, taste herum, greife in den Kulturbeutel und halte plötzlich meine elektrische Zahnbürste in der Hand.

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