360° Personal Setup

Zu Weihnachten konnte ich mir einen besonderen Wunsch erfüllen. Nicht nur dass ich endlich auch mit Hardware in die 360° Szene eintauchen darf, sondern das ganze tatsächlich auch mit dreidimensionalem Audio. Spatiales Audio nennt man das und bedeutet, dass sich die Audioeigenschaften eines 360° Videos so verhalten, wie die Bildeigenschaften. Ich höre also auch in 360 Grad. Stehe ich in meiner virtuellen Zukunft also einmal vor einem musikalischen Duett, höre und sehe ich links das Klavier und rechts den Sänger. Drehe ich mich mit der VR-Brille dann aber um und schaue in Richtung der Zuschauer, sollte sich der Ton jetzt auch ändern, das Klavier also spiegelverkehrt zu hören sein.

Wo ist eigentlich vorne bei 360?

Alles leichter gesagt, als getan, denn als erstes muss ich die Kamera und den Ton gewissermaßen justieren. Die Haupt-Blickrichtung der Szene gilt es vorab zu definieren und nach ihr richten wir nun alles aus. Dieses vorne ist sozusagen der „Nullpunkt“ für Bild und Ton. Blicke ich von diesem Nullpunkt aus gesehen nach rechts, sollte auch das Geräusch rechts präsenter werden. Das klingt zunächst simpel und in der Tat, die Nikon hilft hier schon mal dadurch, dass sie nicht, wie andere Hersteller so gerne, unzählige Kameras in alle Himmelsrichtungen in einem Käfig verbaut, sondern ganz bescheiden sich auf zwei Kameras konzentriert. Und zwar B2B wie die Fachleute so schön kryptisch sagen. Gemeint ist „Back to Back“, oder banaler: Rücken an Rücken. Geschickt hat Nikon gleich eine davon als die Frontkamera deklariert und die Seite ist auch leicht zu finden: Der Schriftzug Nikon wurde hier deutlich fetter aufgebracht.

Geht Audio auch rundum?

Bei meinem Audiorekorder ist das alles leider etwas anders. Er ist multifunktional. Hier kann die Vorderseite mal die sein, auf der auch das Display zu sehen ist, mal aber auch genau die andere Seite. Je nachdem, welche Mikrofongruppe man gerne als Hauptquelle ansprechen will. Man dreht dazu an Schaltern und klickt sich durch Software. Da der Hersteller (Zoom) die 360° Aufnahmefähigkeit bei dem Gerät per Softwareupdate nachgerüstet hat, musste auch die Bedienungsanleitung modifiziert werden und hier wird leider nicht so klar, welche Seite dieses Wunderdingens in diesem Modus (Spatial Audio Mode) die Vorderseite sein soll. „Ich bin ja schlau“, dachte ich mir. „Ich probiere es einfach aus und höre das dann.“ Das dann ist dann aber dumm gelaufen, weil die Audiosignale nicht mehr so organisiert werden, wie ich mir das so dachte und die Audiosoftware mit der ich für gewöhnlich Audiodaten verarbeite, mir die Räumlichkeit ohne passendes Plugin nicht vorführen will. Also beispielsweise Kanal-1-Links, Kanal-2-Rechts. Ein Blick ins neue Kapitel des Manuals verrät mir zumindest, warum die klassische Hörprobe so nicht funktionieren kann:

  • Kanal 0: Omnidirektionale Sphäre
  • Kanal 1: Links-Rechts Dipol
  • Kanal 2: Oben-Unten Dipol (Wird bei dem Gerät nicht verarbeitet)
  • Kanal 3: Vorne-Hinten Dipol

Das gute alte Internet war es dann, dass mir verraten hat, dass das Display des Rekorders nach vorne (Haupt-Blickrichtung) gerichtet sein muss. Das vertagt die Anschaffung  eines möglicherweise teuren Plugins. Dennoch, der Rekorder ist bislang die attraktivste Lösung, die ich finden konnte. Das Gerät ist unschlagbar kompakt. Kein Mikrofon muss zusätzlich eingerichtet werden, kein Kabel gezogen. Hat man den Vorgang soweit verstanden und verinnerlicht, kann man dieses ominöse spatiale Audio routiniert und mit mystischen Armbewegungen locker aus dem Ärmel schütteln und alles staunt um einen herum. Die Frage lautet nun: Wie bekomme ich das Audio aus dem Rekorder heraus und hinein in das Video? Auch hier hilft uns der Rekorder, denn er liefert genau das Audio, was Facebook und YouTube so gerne hätten. Für YouTube muss man allerdings dem Film noch das softwareseitige Etikett verpassen, dass es sich hier um 360° Ton handelt. Auch Metadaten genannt, die man dem Film mit einem kleinen Zusatzprogramm einimpfen muss, bevor man es hochlädt.

 

 

 

 

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